Aktuell im ErbStB

Grundsätze der schenkung- und erbschaftsteuerlichen Bewertung nach Assetklassen – Teil II (Knittel, ErbStB 2020, 220)

Im Bereich des modernen Vermögensmanagements der Vermögensverwalter bzw. Banken wird das investierte Vermögen der Kunden gewöhnlicherweise in sog. Assetklassen eingeteilt. Bezüglich dieser Assetklassen steht für den Kunden unter dem Gesichtspunkt des Vermögensmanagements der jeweils aktuelle Zeitwert des einzelnen Investments sowie insbes. dessen Entwicklung im Vordergrund. Für den Anleger als Steuerpflichtigen oder ggf. gerade auch für dessen Angehörige wird es in besonderen Fällen zusätzlich auf die stichtagsbezogene steuerliche Bewertung des den Assetklassen zugeordneten Vermögens ankommen. Anlassbezogen kann sich dies vor allem bei einer Schenkung bzw. Erbschaft ergeben. Der zweiteilige Beitrag geht zunächst auf die allgemeinen für diesen Bereich relevanten Bewertungsvorschriften ein; sodann werden ausführlich die einzelnen Assetklassen vorgestellt und die einschlägigen steuerlichen Bewertungsregeln erörtert.


I. Einleitung (Teil I)

II. Allgemeine Bewertungsregeln für Assetklassen (Teil I)

1. Gemeiner Wert als allgemeiner steuerlicher Bewertungsmaßstab gem. § 9 BewG

2. Börsennotierte Wertpapiere und Schuldbuchforderungen gem. § 11 Abs. 1 BewG

3. Nicht börsennotierte Anteile an Kapitalgesellschaften gem. § 11 Abs. 2 BewG

4. Investmentzertifikate gem. § 11 Abs. 4 BewG

5. Kapitalforderungen gem. § 12 Abs. 1 BewG

III. Steuerliches Stichtagsprinzip (Teil I)

IV. Steuerliche Bewertungsgrundsätze nach Assetklassen

1. Assetklasse „Liquidität und Geldmarktinstrumente“ (Teil I)

2. Assetklasse „Aktien“ (Teil I)

3. Assetklasse „Anleihen“ (Teil II)

4. Assetklasse „Immobilien“ (Teil II)

5. Assetklasse „Zertifikate“ (Teil II)

6. Assetklasse „Rohstoffe“ (Teil II)

7. Assetklasse „Alternative Investments“ (Teil II)

V. Schlussbemerkung (Teil II)
 


V. Steuerliche Bewertungsgrundsätze nach Assetklassen

(...)

3. Assetklasse „Anleihen“

Bei einer Anleihe – begrifflich auch festverzinsliches Wertpapier, Rentenpapier, Schuldverschreibung oder Obligation – handelt es sich um ein sog. zinstragendes Wertpapier. Eine Anleihe gewährt dem Gläubiger in unterschiedlichen Ausprägungen das Recht auf Rückzahlung des ursprünglich überlassenen Zahlungsbetrages sowie auf Zahlung der vereinbarten Zinsen. Die unterschiedlichen Ausprägungsformen von Anleihen beziehen sich insb. auf die Form der Zinsgewährung. Der Zins kann regelmäßig in gleicher Höhe, variabel (z.B. Floater mit Referenzzinssatz) oder mit einem erhöhten Rückzahlungsbetrag (Zero-Bonds) ausgezahlt werden. Zu den gängigen Anlageformen dieser Assetklasse gehören:

  • Bundesobligationen,
  • Bundes- bzw. Länderanleihen,
  • Bundesschatzanweisungen,
  • ausländische Staatsanleihen,
  • Pfandbriefe,
  • Anleihen-ETF,
  • Rentenfonds,
  • nicht börsennotierte Schuldverschreibungen.


a) Obligationen, Anleihen, Schatzanweisungen

Bei Bundesobligationen, Bundesanleihen und Bundesschatzanweisungen handelt es sich um verzinsliche Wertpapiere, die von der Bundesrepublik Deutschland über die Finanzagentur GmbH (https://www.deutsche-finanzagentur.de) als Staatsanleihen herausgegeben werden. Die ver- ErbStB 2020, 221schiedenen Formen von Wertpapieren unterscheiden sich maßgeblich in ihrer Laufzeit (https://www.deutsche-finanzagentur.de/de/private-anleger/bundeswertpapiere). Die Inhaber erhalten jeweils jährlich feste Zinszahlungen (Kupons) sowie eine Rückzahlung der Ursprungszahlung zum vollen Nennwert am Laufzeitende.

Für Bundesanleihen, Bundesobligationen und Bundesschatzanweisungen ergibt sich der maßgebliche steuerliche Wert gem. § 11 Abs. 1 Satz 1 BewG. Sämtliche Wertpapiere der Bundesagentur werden an allen deutschen Wertpapierbörsen notiert. Für jedes Papier erfolgt täglich an der Frankfurter Wertpapierbörse die Ermittlung des sog. Bundesbank-Referenzpreises.

Dies gilt sinngemäß, wenn Wertpapiere nicht an einer inländischen Börse gehandelt werden, aber in ihrer Gestaltung börsengängigen Wertpapieren i.S.d. § 11 Abs. 1 Satz 1 BewG vergleichbar sind. Daher sind regelmäßig auch ausländische, börslich gehandelte, verzinsliche Wertpapiere gem. § 11 Abs. 1 Satz 1 BewG anhand des aktuellen Börsenwerts zum Stichtag zu bewerten (Kreutziger/Jacobs in Kreutziger/Schaffner/Stephany, § 12 BewG Rz. 35).

Die aktuellen ErbStR enthalten für die zwischenzeitlich nicht mehr emittierten Bundesschatzbriefe A, Bundesschatzbriefe B und Finanzierungsschätze Vorgaben der Finanzverwaltung für die steuerliche Bewertung dieser Wertpapiere (vgl. ErbStR 2019 R B 12.2.)

b) Pfandbriefe

Bei einem Pfandbrief handelt es sich um eine Anleihe, die von einem Kreditinstitut zur Finanzierung von Hypothekendarlehen vergeben wird. Diese Wertpapiere müssen in voller Höhe durch nach bestimmten strengen Grundsätzen zu gewährenden Hypotheken bzw. Grundschulden gedeckt sein (sog. Covered Bonds). Pfandbriefe werden i.A. ebenfalls an inländischen Börsen gehandelt. Vor diesem Hintergrund erfolgt ihre Bewertung ebenfalls gem. § 11 Abs. 1 Satz 1 BewG mit dem zum Stichtag bestehenden Börsenwert.

c) Anleihen-ETF

Bei einem Anleihen-ETF (Synonym: Renten-ETF) handelt es sich um einen passiv gemanagten Fonds, der nicht auf Aktien, sondern auf Anleihen basiert. Dabei werden die einzelnen Titel innerhalb des ETF ausgehend von einem vorab definierten sog. Rentenindex ausgewählt. Der Gegenstand des Rentenindex bezieht sich in der Praxis häufig auf Staatsanleihen aus Industrieländern bzw. Emerging-Markets oder Unternehmensanleihen. Für die steuerliche Bewertung gelten die o.g. Grundsätze zum Aktien-ETF entsprechend, d.h. die für Anleihen-ETFs bestehenden Börsennotierungen sind als maßgebliche Tageskurse i.S.d. § 11 Abs. 1 Satz 1 BewG heranzuziehen.

d) Rentenfonds

Charakteristisches Merkmal eines Rentenfonds ist, (...)


Verlag Dr. Otto Schmidt vom 21.08.2020 08:46
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt

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