Erbschaftsteuerreform 2016

Aktuell: Koordinierte Ländererlasse zur Erbschaftsteuerreform

Nach längerem Zuwarten haben die Obersten Finanzbehörden der Länder am 22. Juni 2017 einen koordinierten Ländererlass zur Anwendung der geänderten Vorschriften zum Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz vorgelegt: Hier geht es zum Volltext des Ländererlasses. Dem Vernehmen nach konnte aufgrund der abweichenden Haltung des Landes Bayern zu einigen Erlassregelungen kein "gleichlautender" Erlass verabschiedet werden.

Alle Änderungen des ErbStG und des BewG haben wir für Sie in einer Synopse der alten und neuen Gesetzesfassungen übersichtlich zusammengefasst.

Das Gesetz zur Anpassung des Erbschaft- und Schenkungsteuerrechts an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist am 9. November 2016 im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden (BGBl. I 2016, 2464). Nach § 37 Abs. 12 Satz 1 ErbStG n.F. finden die §§ 13a, 13b ErbStG auf Erwerbe Anwendung, für die die Steuer nach dem 30. Juni 2016 entsteht. Diese rückwirkende Anwendung stößt schon aufgrund des geltenden Stichtagsprinzips auf verfassungsrechtliche Bedenken. Darüber hinaus widerspricht diese Rückwirkung auch der Entscheidung des BVerfG vom 17. Dezember 2014, das sich im Tenor seiner Entscheidung für eine Fortgeltung des bisherigen Rechts bis zu einer Neuregelung ausgesprochen hat. Bedenken bestehen auch hinsichtlich der rückwirkenden Anwendung des § 203 Abs. 1 BewG n.F. hinsichtlich der Absenkung des Kapitalisierungszinssatzes auf 13,75 %; hier soll die Neuregelung, unter dem Gesichtspunkt einer für den Steuerpflichtigen nunmehr günstigeren Regelung, rückwirkend auf Bewertungsstichtage nach dem 31. Dezember 2015 Anwendung finden. Bei genauerer Betrachtung können sich aus der Anwendung des niedrigeren Kapitalisierungszinssatzes aber auch nachteilige Besteuerungsfolgen ergeben.

Gesetzgebungsverfahren: Der Bundesrat hat am 14. Oktober 2016 dem durch den Beschlussvorschlag des Vermittlungsausschusses vom 22. September 2016 geänderten ErbStG zugestimmt. Zuvor hatte der Bundestag am 29. September 2016 die entsprechende Gesetzesfassung beschlossen.

Die Neuregelungen durch das ErbStG 2016 beinhalten u. a. Änderungen hinsichtlich des Vorwegabschlags bei Familienunternehmen, eine Verkürzung der Stundung von 10 auf 7 Jahre sowie eine Absenkung des Kapitalisierungsfaktors auf 13,75 %. Weiter erfolgten Klarstellungen hinsichtlich der Behandlung von Altersvorsorgevermögen und vermieteten/verpachteten Grundstücken. Luxusgüter, wie Yachten, Kunstgegenstände, Edelmetalle, sind von der Begünstigung ausgenommen.

Das Scheitern des RegE (BT-Drucks. 18/8911) sowie die die Ankündigung des Bundesverfassungsgerichts (PM v. 14. Juli 2016) das Normenkontrollverfahren nach der Sommerpause Ende September erneut auf die Tagesordnung zu setzen, hatten die Mitglieder des Vermittlungsausschusses unter Druck gesetzt, im September zu einer Einigung zu gelangen. Der vorherige Entwurf des ErbStGAnpG vom 24. Juni 2016 (BT-Drucks. 18/8911) war im Bundesrat gescheitert und dem Vermittlungsausschusses übergeben worden (BR-Drucks. 344/1/16 und 344/16(B).

Hintergrund: Der Gesetzgeber war verpflichtet bis zum 30. Juni 2016 eine Neuregelung zu schaffen, die die vom BVerfG in seiner Entscheidung vom 17. Dezember 2014 (BVerfG v. 17.12.2014 - 1 BvL 21/12) festgestellten Verfassungsverstöße beseitigen soll.

Das BVerfG hat festgestellt, dass die Verschonung beim Übergang betrieblichen Vermögens in §§ 13a und 13b ErbStG angesichts ihres Ausmaßes und der Gestaltungsmöglichkeiten gegen Art. 3 Abs. 1 GG verstößt. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) können zwar zur Sicherung ihres Bestands und zwecks Arbeitsplatzerhalt begünstigt werden; die weitgehende Privilegierung des unentgeltlichen Erwerbs betrieblichen Vermögens ist jedoch unverhältnismäßig. (Hier geht es zu den Vorgaben des BVerfG) Schon der BFH hatte seine Vorlage mit einem verfassungswidrigen Begünstigungsüberhang begründet.

Verschaffen Sie sich einen Überblick: In der Rubrik Reform haben wir für Sie die Neuregelungen zusammengefasst - inklusive Materialien.



Blog


Saldierung eines positiven Kapitalkontos mit negativen Kapitalkonten anderer Kommanditisten

Mathias Grootens  Mathias Grootens
Dipl.-Finw. (FH)
13. Dezember 2017 – 16:33

Bei der Feststellung des gemeinen Werts eines Anteils am Betriebsvermögen einer Kommanditgesellschaft für Zwecke der Erbschaftsteuer darf nach § 97 Abs. 1a Nr. 1 lit. a BewG ein positives Kapitalkonto des Erblassers nach Ansicht des FG Düsseldorf (FG Düsseldorf, Urt. v. 20.10.2017 – 4 K 3022/16 F, ErbStB 2018, 7) nicht mit den negativen Kapitalkonten … Continue reading „Saldierung eines positiven Kapitalkontos mit negativen Kapitalkonten anderer Kommanditisten“

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Sonderausgabenabzug einer Versorgungsrente bei fortbestehender Geschäftsführerstellung des Vermögensübergebers

Mathias Grootens  Mathias Grootens
Dipl.-Finw. (FH)
27. September 2017 – 14:58

Der BFH hatte die Frage zu entscheiden, ob Versorgungsrenten nur dann als Sonderausgaben nach § 10 Abs. 1 Nr. 1a Satz 2 lit. c EStG i.d.F. des Veranlagungszeitraums 2013 abziehbar sind, wenn der Übergeber nach der Übertragung der Anteile an einer GmbH nicht mehr Geschäftsführer der Gesellschaft ist. Mit notariellem Vertrag vom 17.12.2012 hatte der Vater des Klägers und Revisionsklägers … Continue reading „Sonderausgabenabzug einer Versorgungsrente bei fortbestehender Geschäftsführerstellung des Vermögensübergebers“

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Keine Berücksichtigung von Finanzierungskosten als Nachlassverbindlichkeiten i.R. eines Rückerwerbs von der Erblasserin

Mathias Grootens  Mathias Grootens
Dipl.-Finw. (FH)
24. Juli 2017 – 13:57

Das FG Mecklenburg-Vorpommern (v. 26.4.2017 – 3 K 233/14) hat entschieden, dass Schulden, die der Erbe vor dem Erbanfall aufgenommen hatte, um die Anschaffungskosten des Erblassers für Gegenstände (hier: Grundstücke) zu finanzieren, die dem Erben dann mit dem Nachlass zugefallen sind, nicht bereicherungsmindernd berücksichtigt werden können. Die Kl. ist Alleinerbin nach A, ihrer Mutter. Zur … Continue reading „Keine Berücksichtigung von Finanzierungskosten als Nachlassverbindlichkeiten i.R. eines Rückerwerbs von der Erblasserin“

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